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Messingbote Handwerk · Herkunft · Hauskultur

Werkstätten

Kupferschmiede in Istanbul: Handwerk im Basar

Kupfergassen gibt es in fast jeder alten Stadt zwischen Sarajevo und Isfahan. Sie folgen einem Muster, das älter ist als jede einzelne Werkstatt darin, und sie erklären, warum Handwerk sich dort bündelt, wo es am lautesten ist.

Handwerk & Werkstoffe

In einer engen Basargasse hängen getriebene Kupferschalen an Haken, davor liegen Hämmer und Ambosse auf niedrigen Böcken.

Die Gasse ist die Werkstatt: gearbeitet wird vorn, gelagert hinten, verkauft wird zwischen beidem.

Der Bakırcılar Çarşısı, die Gasse der Kupferschmiede, liegt in Istanbul am Rand des Kapalıçarşı, dessen Kern auf die Zeit Mehmeds II. nach 1461 zurückgeht. Das Prinzip ist immer dasselbe: ein Gewerbe, eine Gasse. Wer Blech braucht, findet den Blechhändler zwei Türen weiter, wer verzinnen lassen will, den Zinner gegenüber.

Treiben

Aus einer flachen Ronde wird durch tausende Hammerschläge ein Hohlkörper. Das Blech wird dabei nicht gebogen, sondern in seiner Dicke verschoben: außen dünner, innen dicker. Weil das Metall dabei verfestigt und spröde wird, muss es zwischendurch geglüht und wieder abgeschreckt werden. Ein einziger Kessel geht so mehrfach durchs Feuer. Am Ergebnis lässt sich das ablesen: getriebene Ware trägt auf der Innenseite ein feines, unregelmäßiges Schlagmuster, gedrückte Ware nicht.

Ziselieren und punzieren

Ziselieren heißt, mit stumpfen Stichelchen und einem leichten Hammer eine Zeichnung in die Oberfläche zu treiben, ohne Material abzuheben. Das Stück liegt dabei in einer Pechschale, die nachgibt und trotzdem hält. Punzieren arbeitet mit vorgefertigten Stempeln, die ein Motiv in einem Schlag setzen: Rosetten, Halbmonde, geflochtene Bänder. In Sammlungen sind die Punzen das wichtigste Erkennungszeichen, weil sich an ihnen Werkstätten unterscheiden lassen. Die Formensprache, aus der diese Muster stammen, beschreibt der Beitrag über Ornament an der Wand.

Ein getriebenes Kupfertablett liegt in einer schwarzen Pechschale, daneben liegen Reihen feiner Stichel und ein leichter Hammer.
Die Pechschale hält das Stück und gibt gleichzeitig nach. Ohne sie lässt sich nicht ziselieren.

Verzinnen

Kupfergeschirr wird innen verzinnt, weil Kupfer mit Säuren reagiert. Der Zinner, türkisch kalaycı, erhitzt das Gefäß, reibt es mit Salmiak blank und verteilt geschmolzenes Zinn mit einem Werg- oder Baumwollballen. Die Schicht ist dünn und hält einige Jahre, dann kommt das Stück zurück. Dieses Nachverzinnen war jahrhundertelang ein eigener, wandernder Beruf und ist einer der wenigen Handwerksdienste, die im Basar bis heute überlebt haben.

Die anderen Gassen

Dasselbe Muster findet sich in Gaziantep, wo die Kupferschmiede an den Bakırcılar arbeiten, in Mardin, in Sarajevo an der Kazandžiluk, in Kairo im Khan el-Khalili. Wo Kupfer verarbeitet wird, ist Messing nie weit, denn dieselben Werkstätten liefern die Gewinde und Rohre, die im Beitrag über Bauteile und Werkstoffe beschrieben sind. Was der Basar sonst noch beherbergte, zeigt der Beitrag über das osmanische Kaffeehaus.

Wie man alte Ware erkennt

MerkmalHandarbeitMaschinenarbeit
Innenseiteunregelmäßiges Schlagmusterglatt oder gleichmäßig gerillt
Wandstärkevariiert über die Höhegleichbleibend
Punzenleicht versetzt, unterschiedlich tiefexakt gleich, geprägt
Nahtgefalzt und hartgelötetgeschweißt oder tiefgezogen
Verzinnungwolkig, mit Ballenspurengleichmäßig, oft galvanisch

Wer alte Stücke sammelt, steht früher oder später vor der Frage, wie viel sich säubern lässt, ohne die Punzen zu verlieren. Die Antwort steht im Beitrag über Reinigung und Patina.

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Die Materialgeschichte beginnt auf der Werkbank.