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Messingbote Handwerk · Herkunft · Hauskultur

Gefäßkunde

Türkischer Tee: das Glas mit der schmalen Taille

Das türkische Teeglas heißt ince belli bardak, wörtlich Glas mit der dünnen Taille. Jedes Merkmal daran hat einen Grund, und zusammen ergeben sie eines der überzeugendsten Gebrauchsgefäße überhaupt.

Kaffeehaus & Tischkultur

Auf einem runden Messingtablett stehen schlanke Teegläser mit Taille, kleine Unterteller und Würfelzucker neben einer doppelten Kanne.

Tablett, Gläser, Untertassen, Zucker: eine Zusammenstellung, die in jedem Basar dieselbe ist.

Warum die Taille

Das Glas fasst etwa hundert Milliliter und wird ohne Henkel an der Taille gehalten. Weil sich die Wandung dort einschnürt, hat der heiße Inhalt am Griffpunkt die geringste Berührungsfläche, und die Finger fassen an der kühlsten Stelle an. Die Ausbuchtung oben lässt den Tee dort schneller abkühlen, wo er die Lippe berührt. Der schmale Fuß hält den Boden vom Untersetzer entfernt. Drei Formmerkmale, drei thermische Aufgaben, und keine davon ist Zierde.

Die Farbe als Maß

In der Türkei wird die Stärke über die Farbe angegeben. Die kräftige Fassung heißt tavşan kanı, wörtlich Hasenblut, ein tiefes Rotbraun; die helle heißt açık. Weil das Glas durchsichtig ist, ist die Auswahl eine reine Sichtsache. Das ist der eigentliche Grund, warum das Gefäß aus Glas und nicht aus Porzellan besteht.

Der çaydanlık

Gekocht wird in einer doppelstöckigen Kanne. Unten steht Wasser, oben ein kleinerer Aufsatz mit den Blättern und wenig Wasser, der vom Dampf des unteren Teils warmgehalten wird. Aus dem oberen Teil kommt ein sehr starker Aufguss, aus dem unteren das heiße Wasser zum Verdünnen. Jedes Glas wird damit einzeln eingestellt. Der russische Samowar arbeitet nach demselben Prinzip, nur mit einem Innenrohr für die Glut, und beide Geräte kommen aus denselben Metallwerkstätten, die der Beitrag über Handwerk im Basar beschreibt.

Eine doppelstöckige Teekanne aus Emaille steht auf einem kleinen Gasherd, daneben liegen lose Teeblätter auf einem Blatt Papier.
Unten Wasser, oben der starke Aufguss: mit dieser Kanne lässt sich jedes Glas einzeln einstellen.

Wie die Türkei ein Teeland wurde

Bis zum Ersten Weltkrieg war das Osmanische Reich ein Kaffeeland. Danach wurde Kaffee teuer und schwer zu beschaffen, weil die Anbaugebiete am Roten Meer nicht mehr zum Reich gehörten. Die junge Republik förderte deshalb ab den zwanziger Jahren den Teeanbau an der Schwarzmeerküste um Rize, wo das Klima dem georgischen Anbaugebiet ähnelt. Aus dem Versuch wurde eine Landwirtschaft, aus der Landwirtschaft eine Alltagssitte: die Türkei zählt heute zu den Ländern mit dem höchsten Teeverbrauch je Kopf. Was der Kaffee vorher war, beschreibt der Beitrag über das osmanische Kaffeehaus. Für Quellenhinweise steht der Kontakt zur Redaktion offen.

Der Mann mit dem Tablett

Im Basar bringt der çaycı den Tee in die Läden. Sein Werkzeug ist ein rundes Tablett aus Messing, das an drei Ketten hängt und dadurch immer waagerecht bleibt, gleich wie er es trägt. Es ist eine der elegantesten Alltagslösungen, die das Metallhandwerk hervorgebracht hat, und sie stammt aus denselben Gassen wie die Kannen. Wie solche Tabletts ziseliert werden, steht ebenfalls im Beitrag über die Kupfergassen.

Zucker, Melasse und der Rest

Gesüßt wird mit Würfelzucker, der neben dem Glas liegt und nicht darin. Zucker hat in dieser Region eine eigene Wirtschaftsgeschichte, und ihr wichtigstes Nebenprodukt beschreibt der Beitrag über Melasse und Zuckerrübensirup.

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Kaffeehaus

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