Diese Seite beschreibt eine Pflanze, ihre Verwandtschaft, ihre Verbreitung und ihre wirtschaftliche Rolle. Über die gesundheitlichen Folgen ihrer Verwendung gibt es einen eigenen Beitrag, und der fällt eindeutig aus.
Herbarbögen aus dem achtzehnten Jahrhundert dokumentieren die Ausbreitung der Pflanze genauer als jede Handelsstatistik.
Die Gattung und ihre Verwandtschaft
Nicotiana ist eine Gattung der Nachtschattengewächse, der Solanaceae, und damit nah verwandt mit Kartoffel, Tomate, Aubergine, Paprika und Tollkirsche. Zur Gattung gehören über sechzig Arten, die meisten davon aus Süd- und Nordamerika, einige aus Australien. Wirtschaftlich zählen zwei: Nicotiana tabacum, der Virginische Tabak, und Nicotiana rustica, der Bauerntabak, der kühlere Sommer verträgt und in Osteuropa lange die verbreitetere Art war.
Wie die Pflanze aussieht
Wuchshöhe ein bis zwei Meter, unverzweigter Haupttrieb, klebrig behaarte Blätter.
Blätter wechselständig, bis zu einem halben Meter lang, sitzend oder kurz gestielt.
Blüten trichterförmig, weiß bis rosa, in einer endständigen Rispe.
Früchte kleine Kapseln mit sehr feinen Samen; ein Gramm enthält mehrere tausend davon.
Nicotin bildet die Pflanze in den Wurzeln und lagert es in den Blättern ein.
Aus den Anden in die Welt
Der Ursprung liegt im Andenraum, wo die Pflanze seit Jahrtausenden kultiviert wurde. Mit den spanischen und portugiesischen Schiffen des späten fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhunderts erreichte sie Europa, Afrika und Asien. Die Geschwindigkeit ist bemerkenswert: innerhalb von etwa hundert Jahren war die Pflanze auf allen bewohnten Kontinenten präsent. Dass sie in Indien früh ankam, ist die Voraussetzung dafür, dass am Hof Akbars überhaupt jemand ein Wassergefäß daran baute; die Geschichte steht im Beitrag über die Geschichte des Objekts.
Woher der Name kommt
Jean Nicot de Villemain war ab 1559 französischer Gesandter in Lissabon. Er schickte Samen und getrocknete Blätter nach Frankreich an den Hof Katharinas von Medici, wo die Pflanze zunächst als Heilmittel gegen Kopfschmerzen gehandelt wurde. Carl von Linné benannte die Gattung später nach ihm. Der Wirkstoff Nicotin trägt denselben Namen. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Diplomat zum Namensgeber einer ganzen Pflanzengattung wurde.
Trockenschuppen mit Lattenwänden prägten die Landschaft der deutschen Anbaugebiete bis weit ins zwanzigste Jahrhundert.
Anbau in Deutschland
In Deutschland wurde Tabak seit dem siebzehnten Jahrhundert angebaut, vor allem in der Pfalz, in Baden, in der Uckermark und in den Vierlanden bei Hamburg. Die Landschaft trug die Spuren lange sichtbar: hölzerne Trockenschuppen mit klappbaren Lattenwänden, in denen die Blätter hingen. Mit dem Wegfall europäischer Beihilfen ist der Anbau seit den 2010er Jahren stark zurückgegangen und heute nur noch eine Nische.
Melasse, Glycerin und die Frage der Zusätze
Der Tabak, der in Wasserpfeifen verwendet wird, enthält traditionell einen hohen Anteil an feuchthaltenden Zusätzen. Melasse ist einer davon, und sie hat eine eigene, sehr europäische Geschichte, die der Beitrag über Melasse und Zuckerrübensirup erzählt.
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