Der Schlauch ist das einzige Bauteil, das sich bewegt, und deshalb das einzige, das regelmäßig kaputtging. Die Lösung, die sich über vier Jahrhunderte hielt, kam nicht von Schmieden, sondern von Sattlern, Posamentierern und Seilern.
Der alte Aufbau in seinen Schichten: Drahtspirale, Ledermantel, Seidengeflecht, darüber eine dünne Wachsschicht.
In den Werkstätten Istanbuls hieß dieses Bauteil marpuç, und wer es herstellte, war ein eigener Handwerker mit eigener Zunft. Der Grund liegt im Aufbau: ein Schlauch, der biegsam sein soll, ohne zu knicken, und dicht, ohne steif zu werden, ist ein textiles Problem, kein metallenes.
Der Aufbau in vier Schichten
Innen liegt eine eng gewickelte Drahtspirale. Sie hält den Querschnitt offen, auch wenn der Schlauch eine enge Kurve macht. Darüber kommt ein Mantel aus dünnem Ziegen- oder Lammleder, längs vernäht oder verklebt. Über das Leder wird eine Umspinnung gelegt, Baumwolle in der einfachen Ausführung, Seide in der teuren, in schraubenförmigen Bahnen aufgebracht wie bei einer Litze. Zuletzt eine dünne Schicht Wachs oder Firnis, die das Ganze abdichtet und dem Leder die Feuchtigkeit fernhält.
Drahtspirale: hält den Querschnitt, verhindert das Knicken.
Ledermantel: dicht, dehnbar, in dünner Stärke erstaunlich zäh.
Umspinnung aus Baumwolle oder Seide: Schutz, Griff und Schmuck in einem.
Wachs oder Firnis: die Sperrschicht gegen Feuchtigkeit von innen.
Das Mundstück als Standesabzeichen
Am Ende des Schlauchs sitzt ein Mundstück, und dort wurde gezeigt, wie es um ein Haus stand. Einfache Stücke bekamen gedrechseltes Obstholz, bessere Horn oder Bein, teure Bernstein. Bernstein war nicht nur teuer, er hatte einen praktischen Ruf: er wurde als Werkstoff angesehen, an dem sich nichts festsetzt. Im europäischen Handel des neunzehnten Jahrhunderts liefen ostpreußischer Bernstein und osmanische Werkstätten deshalb direkt aufeinander zu, und die Bernsteindreherei von Danzig lieferte bis nach Kairo.
Bernstein, Horn, Obstholz: am Mundstück ließ sich ablesen, aus welchem Haus ein Stück kam.
Was Silikon verändert hat
Seit den achtziger Jahren übernimmt Silikon. Der Werkstoff ist temperaturbeständig, geruchsneutral, er nimmt keine Feuchtigkeit auf und lässt sich unter fließendem Wasser ausspülen. Damit fällt der größte Nachteil des alten Aufbaus weg: der Ledermantel durfte nie nass werden, weil er sonst hart wurde und brach. Handwerklich ist der Tausch ein Verlust, hygienisch ein klarer Fortschritt, und beides gilt gleichzeitig.
Wie ein alter Schlauch überlebt
In Sammlungen liegen Schläuche aus dem neunzehnten Jahrhundert, die noch biegsam sind. Sie haben eines gemeinsam: sie wurden trocken und ausgestreckt aufbewahrt, nie aufgerollt und nie feucht abgelegt. Restauratoren behandeln das Leder wie jedes andere Sammlungsleder, also mit möglichst wenig Eingriff. Dieselbe Zurückhaltung gilt für die Metallteile, wie der Beitrag über Reinigung und Patina zeigt. Wo das Bauteil im Ganzen sitzt, steht in der Übersicht über die Teile und ihre Werkstoffe, und die Werkstätten, aus denen die Metallteile kamen, beschreibt der Beitrag über Handwerk im Basar.