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Messingbote Handwerk · Herkunft · Hauskultur

Literatur

Aladin: wie 1001 Nacht das Morgenland erfand

Wer über die Herkunft von Gegenständen schreibt, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei. Sie erklärt, warum Europa das Morgenland so sah, wie es das tat, und warum dieses Bild mit den Werkstätten, aus denen die Gegenstände kamen, wenig zu tun hatte.

Geschichte & Wege

Eine alte französische Buchausgabe liegt aufgeschlagen auf einem Lesepult, daneben ein Kupferstich und eine kleine Öllampe aus Messing.

Gallands Ausgabe von 1704 bis 1717 machte die Sammlung in Europa bekannt und fügte ihr zugleich neue Erzählungen hinzu.

Die Sammlung, die im Deutschen Tausendundeine Nacht heißt, ist ein über Jahrhunderte gewachsener Bestand aus persischen, indischen, arabischen und ägyptischen Erzählungen. Der französische Orientalist Antoine Galland übersetzte sie zwischen 1704 und 1717 und machte sie damit in Europa bekannt. Seine Ausgabe war ein sofortiger Erfolg.

Eine Erzählung ohne Handschrift

Zwei der berühmtesten Geschichten der Sammlung, Aladin und Ali Baba, finden sich in keiner arabischen Handschrift, die älter wäre als Gallands Ausgabe. Sie gehören zu den sogenannten verwaisten Erzählungen. Galland hat sie nicht erfunden, aber er hat sie nicht aus einem Buch.

Hanna Diyab, Aleppo und Paris

Gallands Tagebuch nennt die Quelle beim Namen. Im Frühjahr 1709 traf er in Paris einen jungen maronitischen Christen aus Aleppo, Hanna Diyab, der als Reisebegleiter eines französischen Sammlers nach Frankreich gekommen war. Diyab erzählte ihm eine Reihe von Geschichten, darunter Aladin. Diyab hat später selbst einen Reisebericht verfasst; die Handschrift liegt in der Vatikanischen Bibliothek und ist erst im einundzwanzigsten Jahrhundert übersetzt und breiter bekannt geworden. Damit ist eine der bekanntesten Erzählungen der Weltliteratur einem Mann zuzuschreiben, dessen Name in keiner Ausgabe des achtzehnten Jahrhunderts steht.

Auf einem Lesepult liegt eine alte arabische Handschrift mit brauner Tinte, daneben ein Notizbuch, ein Bleistift und weiße Baumwollhandschuhe.
Der Reisebericht des Erzählers lag Jahrhunderte ungelesen in einer Bibliothek.

Was Europa daraus baute

Die Wirkung war enorm und ging weit über die Literatur hinaus. Aus den Erzählungen wurde eine Bildwelt: Kuppeln, Lampen, Teppiche, Rauchgefäße, ein Innenraum ohne Stühle. Diese Bildwelt wanderte in die Malerei, in die Oper, in die Weltausstellungen und schließlich in die bürgerliche Wohnung. Der Beitrag über Ornament an der Wand zeigt, wie das im neunzehnten Jahrhundert bis in die Musterbücher der Tapetenfabriken vordrang.

Die Wunderlampe und das Handwerk

Eine Öllampe aus Metall, gerieben und geputzt: das Bild ist so stark, dass es die tatsächlichen Gegenstände überlagert hat. Reale Lampen dieser Zeit stammen aus Werkstätten, die im Beitrag über Handwerk im Basar beschrieben sind, und die emaillierten Glaslampen der Mamlukenzeit gehören zum Anspruchsvollsten, was die Glasmacherei je hervorgebracht hat. Wie sie gebaut sind, steht im Beitrag über Licht durch farbiges Glas.

Warum das für Gegenstände zählt

Wer ein orientalisches Metallgerät in einem europäischen Haushalt des neunzehnten Jahrhunderts findet, hat selten ein Gebrauchsstück vor sich, sondern meistens ein Bildzitat. Das erklärt Bauweisen, die im Ursprungsgebiet niemand verwendet hätte, und Verzierungen, die aus Musterbüchern stammen statt aus einer Werkstatt. Die Spur des echten Gegenstands verfolgt der Beitrag über die Geschichte des Objekts.

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Ein Objekt reist nie allein: Es nimmt Wörter, Bilder und soziale Regeln mit.