Die Geschichte dieses Objekts ist schlecht dokumentiert und gut erforscht, was ein Widerspruch nur scheinbar ist. Metall wurde eingeschmolzen, Glas zerbrach, Leder zerfiel. Geblieben sind Chroniken, Hofakten, Miniaturen und Reiseberichte.
Die frühesten Belege sind Bilder und Chroniken, nicht Gegenstände: Metall wurde eingeschmolzen, Papier überlebte.
Am Anfang steht kein Fund, sondern eine Notiz. Am Hof des Mogulkaisers Akbar, also im nordindischen Reich des späten sechzehnten Jahrhunderts, beschrieb der aus Gilan stammende Arzt Abu l-Fath eine Vorrichtung, die Rauch durch ein Wassergefäß leitete. Der Zeitpunkt passt: portugiesische Schiffe hatten den Tabak wenige Jahrzehnte zuvor an die indische Westküste gebracht. Woher die Pflanze selbst kam, beschreibt der Beitrag über Botanik und Geschichte der Tabakpflanze.
Die Kokosschale als erstes Gefäß
Die frühen Geräte waren einfach: eine ausgehöhlte Kokosschale als Gefäß, ein Rohr aus Bambus, ein Kopf aus Ton. Diese Bauweise hat sich im Namen erhalten. Das persische Wort nārgīl geht auf das Sanskritwort nārikela für Kokosnuss zurück, und daraus wurde nārgīle und schließlich das türkische nargile. Die ganze Wortkette verfolgt der Beitrag über die Wanderung eines Wortes.
Persien: aus dem Behelf wird ein Möbel
Im safawidischen Persien des siebzehnten Jahrhunderts wird aus dem Behelfsgerät ein Ausstattungsstück. Das Gefäß besteht nun aus Glas oder aus Metall, die Säule aus getriebenem und ziseliertem Messing, der Schlauch aus Leder mit textiler Umspinnung. Europäische Reisende beschreiben ganze Reihen solcher Geräte in den Empfangsräumen von Isfahan. Das persische Wort dafür, qalyān, ist bis heute in Gebrauch und taucht im Deutschen als Kalian auf.
Das Osmanische Reich und ein Verbot
Im Osmanischen Reich verbreitet sich der Gegenstand im siebzehnten Jahrhundert zusammen mit dem Kaffeehaus. Beide standen früh unter Verdacht, und zwar aus demselben Grund: sie brachten Leute zusammen, die redeten. Sultan Murad IV. verbot 1633 den Tabak scharf, zeitweise auch bei Todesstrafe, und ließ Kaffeehäuser schließen. Das Verbot hielt nicht. Wie diese Häuser aussahen und was dort sonst geschah, beschreibt der Beitrag über das osmanische Kaffeehaus.
Europäische Reiseberichte des achtzehnten Jahrhunderts sind die ergiebigste Bildquelle, und zugleich die parteiischste.
Der Weg nach Europa
Nach Europa kommt der Gegenstand nicht als Gebrauchsware, sondern als Bild. Die Orientmalerei des neunzehnten Jahrhunderts, die Weltausstellungen und die Reiseliteratur machen ihn zum Zeichen für eine Landschaft, die es so nie gab. Im bürgerlichen Wohnhaus taucht er in der türkischen Ecke auf, einem Ausstattungsstück, das der Beitrag über farbiges Glas und Lampenlicht streift. Wie diese europäische Vorstellung vom Morgenland zustande kam, erzählt der Beitrag über Aladin und seine Herkunft.
Was sich in vierhundert Jahren nicht geändert hat
Bauteil
Um 1600
Um 1900
Heute
Gefäß
Kokosschale
geblasenes Glas, Metall
geblasenes Glas
Säule
Bambus, Rohr
getriebenes Messing
Messing, Edelstahl
Kopf
gebrannter Ton
Ton, glasierte Keramik
Ton, Keramik, Silikon
Schlauch
Rohr, Leder
Leder mit Seidengeflecht
Silikon
Prinzip
Blasen durch Wasser
unverändert
unverändert
Die Tabelle erklärt, warum das Gerät sich so gut erforschen lässt: die Werkstoffe wechselten, das Funktionsprinzip nie. Was dabei physikalisch geschieht, steht im Beitrag über die Physik der Wasserpfeife.
Wo die Stücke heute liegen
Osmanische und persische Metallarbeiten finden sich in Deutschland unter anderem im Museum für Islamische Kunst in Berlin, im Linden-Museum in Stuttgart und im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Wer solche Stücke ansieht, erkennt das Handwerk daran, was der Beitrag über Handwerk im Basar beschreibt: Schlagmuster auf der Innenseite, versetzte Punzen, wolkige Verzinnung.
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Ein Objekt reist nie allein: Es nimmt Wörter, Bilder und soziale Regeln mit.